Chalandamarz – der wohl bekannteste Engadiner Brauch

Tradition & Brauchtum


Am 1. März 2021 bluten die Herzen der meisten Engadinerinnen und Engadiner. Die leidtragenden sind vor allem die Engadiner Kinder, denn für sie ist der Chalandamarz der wichtigste Tag des Jahres. Was man sich nie hätte vorstellen können, ist nun zum zweiten Mal Tatsache. Wegen der Covid-19 Pandemie wurde die Durchführung des Chalandamarz abgesagt.



Wer kennt nicht den berühmten Kinderbuchklassiker «Schellen-Ursli», Rätoromanisch «Uorsin» von Selina Chönz, legendär bebildert von Alois Cariget? Dieses Kinderbuch, welches mehrmals verfilmt wurde, erzählt die Geschichte des «Chalandamarz», der am 1. März gefeiert wird.




Schon der Name deutet auf die historischen Wurzeln dieser Engadiner Tradition hin, denn als die Römer im 1. Jahrhundert n. Chr. über Raetia herrschten, galt der erste Tag («kalendae») im März («martius») als Beginn des neuen Jahres, als die jungen Männer das alte Jahr mit gehörigem Krach vertrieben und das neue Jahr mit einem rauschenden Fest begrüssten! Heute ist es die Jugend eines Dorfs, welche mit einem nachgespielten Alpauftrieb selbstbewusst den Winter vertreibt und den Frühling willkommen heisst. Der Chalandamarz ist ganz im Sinne der Trailrunning-Fans, denn auch sie warten darauf, dass sich der Winter zurückzieht und die traumhaften Trails des Engadins wieder frei gibt.


Wo immer der «Chalandamarz» im Engadin gefeiert wird, spielen Lieder, klingende Kuhglocken und ein fröhlicher Kinderball mit Tanz und Musik zentrale Rollen. Doch damit erschöpft sich die Gemeinsamkeit der Ausgestaltung dieses bunten Brauchs (wenn man von der guten Laune aller Beteiligten mal absieht), die Vielfältigkeit der unterschiedlichen Chalandamarz-Traditionen eines jeden Dorfs spiegelt den Facettenreichtum des Engadins wider. In allen Patronatsgemeinden des Engadin Ultra Trail pflegt man die Tradition und feiert den Chalandamarz auf seine Weise.


In Zuoz, dem Startort des EUT53, werden die romanische Sprache und Kultur gelebt wie in keinem anderen Dorf im Engadin. Hier beginnt der Chalandamarz bereits zwei Tage vor dem 1. März. Dies wegen der Weitläufigkeit des Dorfes und weil auch die Gemeinde Madulain, welche mit Zuoz eine Schulgemeinschaft bildet, einbezogen ist. Die Schulbuben ziehen als Hirten und Herde mit Plumpen und Schellen von Haus zu Haus, Lieder singend, um den Winter aus allen Winkeln und Ecken zu vertreiben. Ab 1. Februar wird das Peitschenknallen geübt. Zwei Sonntage vor dem 1. März ist "Prouva da Chalandamarz" - in dieser Form nur in Zuoz bekannt - mit dem Rundgang des Schellenzuges um sämtliche Brunnen im Dorfe. Am eigentlichen Chalandamarz, am 1. März, wird der Umzug auf dem Dorfplatz mit Peitschenknallen, an dem sich auch die Älteren gerne beteiligen, abgeschlossen. Am Nachmittag und am Abend wird getanzt und gesungen. Ganz speziell ist auch, dass in Zuoz die Gemeindewahlen am Chalandamarz-Tag abgehalten werden.


«Eviva il Chalandamarz!»




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