10 Fragen an den OK-Präsidenten des Engadin Ultra Trail

Aktualisiert: vor 2 Tagen



Reto Franziscus, noch 12 Wochen verbleiben bis zum Start des ersten Engadin Ultra Trail. Wie läuft eure Planung im zweiten Jahr mit Covid-19?

Das Organisationskomitee ist mit der Planung auf Kurs. Die ganze Corona-Situation mit den dazugehörigen Massnahmen ist und bleibt allerdings unberechenbar. Wir sind jedoch einer Durchführung gegenüber optimistisch und prüfen verschiedene Formen, wie die Veranstaltung trotz Coronavirus möglich ist.


Steht euer Schutzkonzept für den Engadin Ultra Trail (EUT) schon?

Nein, die momentane Situation lässt noch keine detaillierte Planung zu. Je nach Stand der Lockerungen bis im Juli gibt es verschiedene Szenarien zur Durchführung des Engadin Ultra Trail. Glücklicherweise gibt es für Laufveranstaltungen viele Möglichkeiten, flexibel zu agieren ­– ein wichtiger Partner dabei ist unser Zeitmessungspartner Ovento AG. Fest steht sicherlich, dass unser Rahmenprogramm rund um den EUT sehr stark eingeschränkt werden muss.


Gibt es eine Teilnehmerbeschränkung?

Momentan sehen wir noch keinen Grund für eine Beschränkung der Teilnehmer. Als neues Event in der Trailrunning-Szene sind wir noch nicht so gross – wir müssen uns erst noch etablieren. Mit dem Stand der Anmeldungen sind wir bisher sehr zufrieden. Es wird sicherlich noch viele kurzfristige Anmeldungen geben, wenn wir das Event wirklich durchführen können. Die Laufszene hat den Wunsch, wieder an Wettkämpfen teilzunehmen.


Hinter dem Engadin Ultra Trail steht im Vergleich zu anderen Events keine Sportmanagement-Firma. Ist der Arbeitsaufwand der OK-Mitglieder nicht enorm?

Unser Kernteam arbeitet schon seit zehn Jahren zusammen: Als OK-Engadin waren wir für die Streckenabschnitte der Swissalpine Läufe durchs Engadin verantwortlich. Dabei konnten wir viel Erfahrungen sammeln, vor allem in der Streckensicherung und bei der Durchführung einer solchen Laufveranstaltung. Beim Engadin Ultra Trail kommen viele administrative Aufgaben dazu, bei welchen wir auf die Unterstützung der Eventabteilungen unserer Partnergemeinden zählen dürfen.


Gerade herrschen nicht die besten Voraussetzungen, um ein neues Event aufzubauen, wie nehmt ihr das wahr?

Wir wollen mit dem Engadin Ultra Trail neue Wertschöpfung schaffen, die über die Laufveranstaltung hinausgeht. Es zeigt sich schon jetzt, dass im unteren Teil des Oberengadins zwischen Samedan und Zuoz neue Trailrunning Angebote entstehen, welche in Zukunft sicher stark ausgebaut werden können. Glücklicherweise können wir dabei auf die Unterstützung unserer Partnergemeinden zählen.


Wie sieht es mit den Sponsoren aus?

In der jetzigen Zeit ist es schwierig, an die grossen Töpfe zu kommen. Erstens sind wir als neue Laufveranstaltung für grosse Sponsoren noch nicht interessant und zweitens sind die Firmen in der schwierigen wirtschaftlichen Situation eher zurückhaltend. Wir konnten jedoch erste gute Partnerschaften Aufbauen und verfügen über meist lokale Unterstützer für unser Event. An erster Stelle steht für uns, dass wir unseren Lauf gemeinsam mit unseren Partnern und Sponsoren langfristig entwickeln können.


Was war euer Fokus bei der Streckenplanung?

Bei der Streckenplanung haben wir bewusst den unteren Teil des Oberengadins zwischen Celerina und Zuoz ins Zentrum gerückt, da in diesen Gemeinden die Eventdichte viel kleiner ist als um St. Moritz. Diese Region ist auch touristisch weniger intensiv genutzt und wir durchlaufen Strecken wie beispielsweise die Val Champagna oder Munt Seja, wo man sehr wenig Wanderern begegnet.

Wir planten von Anfang an eine Strecke von etwa 100 Km, da es so lange Läufe in den Ostschweizer Alpen nicht gibt. Die EUT-Strecke sollte möglichst viele schöne Trails bespielen, ohne jedoch extreme Strecken zu passieren, welche Gefahren mit sich bringen würden. Eines unserer Ziele ist, einen Lauf anzubieten, welcher möglichst vielen Startern auch ermöglicht, ein Finisher zu werden.

Zusätzlich war für uns klar, dass alle kürzeren Läufe auf der 100 Km Schlaufe verlaufen müssen und ins gleiche Ziel führen sollten. Die Startorte Zuoz (EUT53) und La Punt Chamues-ch (ET23) waren ebenfalls vorgegeben.


Was sind die Höhepunkte der Engadin Ultra Trail Strecke?

Das Engadin ist wahrscheinlich das schönste Hochtal, das es gibt. Wenn man einen 100 Km Lauf durch dieses Tal organisiert, enthält dieser dementsprechend zahlreiche atemberaubende Hotspots. Eine Eigenart des Engadin Ultra Trail ist, dass er durch fünf historische Dorfkerne führt. Die Strecke führt jedoch auch immer wieder in die Höhe, mit der Fuorcla Champagna auf 2818 M.ü.M als höchsten Punkt. In der Höhe kann man die Engadiner Panoramen immer wieder aus einer anderen Richtung geniessen, was die Strapazen der Anstrengung bestimmt etwas erleichtern wird. Für die Psyche der Läuferinnen und Läufer könnte erschwerend sein, dass man nach jedem Aufstieg alle weiteren Hindernisse des Tages immer wieder vor Augen hat.


Wie kann man auf über 100 Km die Sicherheit der Läufer gewähren?

Für alle Streckenabschnitte, welche über ca. 2300 M.ü.M führen, haben wir bei misslichen Wetterbedingungen (Schneefall) die Möglichkeit, auf tiefergelegene Trails auszuweichen. Zudem haben wir bei der Streckenplanung darauf geachtet, keine gefährlichen Bergpassagen einzubauen, da wir auch nachts unterwegs sind. Die Strecke ist auf weiten Teilen mit Fahrzeugen oder Bergbahn zu erreichen, was eventuelle Einsätze erleichtert. Zudem ist der grösste Teil der EUT-Strecke mit Mobile-Empfang, sodass wir mit Hilfe von Trackboxen unseres Zeitmessungs-Partners Ovento die Läufer regelmässig kontrollieren können. Wir können mit Dominik Hunziker von der Firma Berg & Sicherheit auf die Hilfe eines Sicherheitsfachmanns zählen, der alle Szenarien im Sicherheitskonzept berücksichtigt. Schlussendlich liegt die Verantwortung jedoch auch bei jedem einzelnen Teilnehmer, dass er die Regeln einhaltet und die eigenen Fähigkeiten jederzeit richtig beurteilen soll.


Was ist deine Motivation als OK-Präsident

Ich vergleiche meinen Fokus auf den EUT mit dem eines Läufers. Der Läufer muss sich das ganze Jahr auf unseren EUT 102 vorbereiten, damit er die anspruchsvolle Strecke einigermassen problemlos meistern kann. Das Gleiche gilt für den OK-Präsidenten: Es vergeht kaum ein Tag, an dem meine Gedanken nicht beim EUT sind. Ich kenne jeden Meter der Strecke von persönlichen Begehungen. Die besten Ideen kommen mir, wenn ich mit Familienhund Armani in der Natur unterwegs bin. Schlussendlich gilt es das ganze OK Team und alle Voluntaris zu motivieren, die jeweilige Aufgabe so gut wie immer möglich zu erledigen. Unser Ziel muss sein, dass die Teilnehmer sich bei uns wohlfühlen und immer wieder ins Engadin zurückkehren, sei es für den nächsten Engadin Ultra Trail oder für einen Ferienaufenthalt bei uns.

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